Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis an Bernd Schuh und Monika Niehaus

Der mit 12.000 € dotierte Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis, ausgeschrieben diesmal für ein wissenschaftliches oder populärwissenschaftliches Sachbuch,  geht in diesem Jahr an Bernd Schuh und Monika Niehaus für ihre Übersetzung von Philip Ordings „99 Variations of a Proof“, auf Deutsch erschienen im Carl Hanser Verlag unter dem Titel „99 Variationen eines Beweises. Spielarten der Mathematik“.

Die fünfköpfige Jury, der die Übersetzer:innen Christine Ammann, Maria Meinel und Thomas Weiler, der Germanist Dieter Martin und Bettina Schulte, Kulturredakteurin der Badischen Zeitung, angehörten, begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Das Werk des US-amerikanischen Mathematikprofessors ist kein klassisches Sachbuch. Es ist eine Grenzüberschreitung in mehrfacher Hinsicht. Angeregt von den ‚Stilübungen‘ Raymond Queneaus dekliniert der Autor eine kubische Gleichung in immer neuen, sämtliche Register möglicher (Be-)Schreibungen ziehenden Stilvarianten durch und beweist damit nicht nur vielfach ihre Gültigkeit, sondern ein ums andere Mal, dass es auch in der vermeintlich abstrakten Strenge der ars mathematica an expressiven und imaginativen Möglichkeiten kein Ende haben kann. In jeweils nachgeordneten Texten werden die Beweise eingeordnet, kommentiert und auf ihre stilistischen Besonderheiten hin befragt. 

Monika Niehaus und Bernd Schuh mussten nicht allein Sachverstand, Recherchearbeit und sprachliche Versiertheit in die Waagschale werfen – das unerlässliche Handwerkszeug bei aller Sachbuchübersetzerei –, sondern sich neben der Vielzahl vermittelter Sachgebiete und Theorien auch der gesamten sprachschöpferischen Klaviatur bedienen, Knittelverse nachdichten, sich auf Einsilber beschränken, die ‚Paranoia‘ einer Vorlage auf den deutschen Referenztext umschmieden, formelfromme Fachsprachen genauso souverän abbilden wie kryptische Tweets, chromatische Illustrationen, ein imaginiertes Drehbuch oder kruden akademischen Kaffeepausensprech. Nicht zuletzt haben Niehaus und Schuh sogar eigene Beweise erfunden, wo sich das Verfahren des Originals nicht in die deutsche Sprache transferieren ließ – und damit ihrerseits die Grenzen "klassischen" Übersetzens spielerisch überschritten. Dass sich die Kombination aus Verspieltheit und Akkuratesse, die Christoph Martin Wieland gewiss zugesagt hätte, und die Begeisterung für die Schönheit der Mathematik in all ihren Spielarten auch in der deutschen Übersetzung umstandslos vermittelt, ist das große Verdienst von Monika Niehaus und Bernd Schuh.“

Der Freundeskreis zur Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen e.V. hatte den Preis in diesem Jahr erstmals für die Übersetzung eines wissenschaftlichen oder populärwissenschaftlichen Sachbuchs ausgeschrieben. Er wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg finanziert und würdigt neben einer herausragenden Übersetzung auch das übersetzerische Lebenswerk. Die Preisverleihung findet am 29. September 2021 unter der Regie der Christoph-Martin-Wieland-Stiftung in Biberach an der Riß statt, der Heimatstadt des Namenspatrons.

Hier geht es zu den Fotos des Preisträgers und der Preisträgerin: https://literaturuebersetzer.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung-vom-12-juli-2021/

Sie sind kostenfrei im Rahmen der Berichterstattung nutzbar bei Nennung des jeweiligen Bildnachweises. 

 

Hintergrund

Der Preis wird seit 1979 alle zwei Jahre für Werke wechselnder literarischer Gattungen ausgeschrieben.
Finanziert wird der mit 12.000 Euro dotierte Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Die Preisverleihung findet im Spätsommer 2021 in der Wieland-Stadt Biberach statt und wird von der Christoph Martin Wieland-Stiftung organisiert.

Wieland-Übersetzerpreis 2019

Eva Schweikart erhält den Christoph Martin Wieland-Übersetzerpreis 2019

Die in Hannover lebende Übersetzerin und Lektorin Eva Schweikart wird mit dem Christoph Martin Wieland-Übersetzerpreis 2019 ausgezeichnet für ihre Übertragung des packenden Kinderromans „Emilia und der Junge aus dem Meer“ vom Niederländischen ins Deutsche. Der Roman der Niederländerin Annet Schaap erschien 2019 im Thienemann Verlag. Der Freundeskreis zur Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen e.V. hatte den Preis in diesem Jahr erstmals für die Übersetzung eines Kinderbuches ausgeschrieben. Der mit 12.000 Euro dotierte Preis wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg finanziert. Die Preisverleihung wird von der Christoph Martin Wieland-Stiftung in Biberach ausgerichtet und findet am 7. November 2019 in der Heimatstadt des Namenpatrons statt.

Die fünfköpfige Jury, der die ÜbersetzerInnen Friederike Buchinger, Andreas Jandl und Tobias Scheffel, die Germanistin Jutta Heinz aus dem Wissenschaftsrat der Wieland-Stiftung und Lothar Schröder von der Rheinischen Post angehörten, begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Annet Schaaps Roman für junge Leser ab 10 Jahren verbindet Märchen- und Fabelhaftes, knüpft an die verwunschenen Welten von Hans Christian Andersen an und verbindet Meeresmotivik mit Seeräuber-Jennyesker Selbstbehauptung ihrer jungen Heldin. Emilia ist eine Figur, die auf ermutigende Weise für Menschlichkeit, Toleranz und Vielfalt steht. Annet Schaap findet für die Einsamkeit, die Härte und scheinbare Ausweglosigkeit ihrer Protagonistin, der jungen Leuchtturmwärtertochter Emilia, im Niederländischen einen knappen, klaren Ton, der sich im Lauf des Romans um weitere Stimmen weitet und sich mit zunehmender Reife und Sicherheit der Protagonistin wandelt. Stimmung, Ton, Atmosphäre sind wesentliche Charakteristika des Romans. Es galt bei der Übersetzung, für einen ganzen Chor die jeweils passenden Stimmen zu entwickeln und die beschriebene Stimmung im Deutschen in all ihrer Vielfalt, Härte, Knappheit wiederzugeben. Eva Schweikart hat diese Herausforderung bravourös gemeistert. Ihr deutscher Text ist zunächst bedrückend, intensiv, karg, dann hoffnungsvoll schimmernd und märchenhaft magisch wie das Original. Die Stimmungen überzeugen, an keiner Stelle meint man, eine Übersetzung zu lesen, sondern zum Leser spricht eine reife, souveräne deutsche Vielstimmigkeit.“

Beeindruckt von dieser Souveränität der Übersetzungsleistung hat die Jury Eva Schweikart einmütig den Christoph Martin Wieland-Übersetzerpreis 2019 zugesprochen. Der Preis wird seit 1979 alle zwei Jahre für ein wechselndes Genre verliehen.

 

Hintergrundinformationen

Der Christoph Martin Wieland-Übersetzerpreis wird alle zwei Jahre vom Freundeskreis zur Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen e. V. ausgeschrieben und verliehen. Das Preisgeld in Höhe von 12.000 Euro stellt das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg zur Verfügung. Die Preisverleihung organisiert die Christoph Martin Wieland-Stiftung Biberach in Wielands Heimatstadt.

Wieland als Übersetzer
Im Biberacher Komödienhaus kam es im September 1761 zur ersten bedeutenden Shakespeare-Aufführung auf deutscher Bühne. Christoph Martin Wieland war zu der Zeit Direktor der Evangelischen Komödiantengesellschaft. Die Schauspieler präsentierten in seiner Übersetzung und unter seiner Regie Shakespeares Der Sturm oder der erstaunliche Schiffbruch (The Tempest). Angespornt durch den Erfolg dieser Aufführung übersetzte Wieland in der Folge 22 Shakespeare-Dramen ins Deutsche. Es handelte sich dabei fast ausschließlich um Erstübersetzungen. Die Übersetzungen wurden unter dem Titel Shakespeares Theatralische Werke zwischen 1762 und 1766 in acht Bänden in Zürich bei Orell, Geßner und Companie verlegt. Diese Ausgabe machte Shakespeares Texte in Deutschland einem breiten Publikum zugänglich und diente als Grundlage für viele Bühnenbearbeitungen. Darüber hinaus fanden durch Wielands Shakespeare-Übersetzung zahlreiche Wortneuschöpfungen Eingang in die deutsche Sprache.

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