Biberach-Tübingen (1733-1752)
1733
Am 5. September wird Christoph Martin Wieland als Sohn des Pfarrers
Thomas Adam Wieland und der Regina Katharina, geb. Kick in Oberholzheim bei
Biberach an der Riß geboren.
1736
Der Vater wird Pfarrer in Biberach, Übersiedlung der Familie in
die Freie Reichsstadt. Der Sohn erhält Unterricht vom Vater und an der
Biberacher Lateinschule. Er liest frühzeitig antike und zeitgenössische
Autoren.
1747
Wieland als Internatsschüler in Klosterberge bei Magdeburg. Er
lernt wichtige Werke der französischen Aufklärung kennen.
1749
Beendigung der Schulzeit. Aufenthalt bei J. W. Baumer in Erfurt. Bekanntschaft
mit der Aufklärungsphilosophie von Christian Wolff und mit dem „Don
Quijote” von Cervantes.
1750
Rückkehr nach Biberach. Verlobung mit Sophie Gutermann, der späteren
Frau von La Roche (Großmutter von Clemens und Bettina Brentano). Jurastudium
in Tübingen, Logis im Stift Hochmann.
1751
„Die Natur der Dinge”. Naturphilosophisches Lehrgedicht in Alexandrinern
(erschienen 1752). „Hermann”. Epenfragment. Versuch eines deutschen
Nationalepos in Hexametern.
Zürich-Bern (1752-1760)
1752 (bis 1754)
Gast im Hause Johann Jacob Bodmers in Zürich.
1753
(Dezember) Sophie Gutermann löst ihre Verlobung mit Wieland.
1754 (bis 1759)
Hauslehrer in Zürich. Briefwechsel mit dem Schweizer
Arzt Johann Georg Zimmermann.
1758
„Lady Johanna Gray”. Ein Trauerspiel. Uraufführung
in Winterthur (20. Juli).
1759
„Cyrus”. Unvollendetes Heldengedicht. Übersiedlung
nach Bern. Hauslehrer beim Landvogt Ludwig Friedrich von Sinner. Verlobung
mit
Julie Bondeli, einer Anhängerin Jean-Jacques Rousseaus.
Biberach (1760-1769)
1760 (30. April)
Einstimmige Wahl zum Senator in Biberach. Wegen seiner
Ernennung zum Biberacher Kanzleiverwalter muß Wieland einen langwierigen
Prozeß führen (bis 1764).
1761
Beginn der Besuche bei Friedrich Graf von Stadion auf Schloß Warthausen
bei Biberach und Georg Michael von La Roche, Sekretär und Hofmeister
des Grafen, seit 1753 verheiratet mit Sophie Gutermann. Wieland wird Direktor
der Evangelischen Komödiantengesellschaft und inszeniert Shakespeares
„Tempest” in deutscher Übersetzung im Biberacher Theater in der Schlachtmetzg. Übersetzung
von 22 Shakespeare-Dramen ins Deutsche (bis 1766).
1761 (bis 1763)
Verbindung mit Christine Hogel („Bibi”), einem
katholischen Bürgermädchen. Sie bekommt eine Tochter von Wieland.
1764
„Der Sieg der Natur über die Schwärmerey oder die Abenteuer
des Don Sylvio von Rosalva”. Roman (darin: „Geschichte des
Prinzen Biribinker”), verlegt bei der Bartholomäischen Buchhandlung
in Ulm. Briefwechsel mit Christian Friedrich Daniel Schubart in Geislingen.
1765
„Comische Erzählungen”. Wieland
gerät
in den Ruf der Frivolität. Heirat mit der Augsburger Kaufmannstochter
Anna Dorothea von Hillenbrand (21. Oktober), mit der er bis zu ihrem Tod
(1801) in glücklicher Ehe leben wird (14 Kinder).
1766
„Geschichte des Agathon” (1.Fassung), Roman, Verlag: Orell,
Geßner
u.Cie. in Zürich.
1768
„Idris und Zenide”. Romantisches Gedicht in freien Stanzen. „Musarion
oder die Philosophie der Grazien”. Ein Gedicht in drei Büchern.
Verlag: Weidmannsche Buchhandlung bei Ph. E. Reich in Leipzig.
Tod des Grafen Stadion (Oktober).
Erfurt (1769-1772)
1769
Ernennung zum Kurmainzischen Regierungsrat und Professor der Philosophie
an der Universität Erfurt. Übersiedlung nach Erfurt.
1770
„Sokrates mainomenos oder die Dialogen des Diogenes von Sinope”. „Die Grazien”.
Idyllisches Gedicht in Versen und Prosa.
1771
„Der Neue Amadis”. Ein komisches Gedicht in 18 Gesängen.
Reise nach Koblenz, Mainz, Darmstadt: Wieland im Zenit seines literarischen
Ruhmes.
Bearbeitung und Edition der „Geschichte des Fräuleins von Sternheim”
von Sophie von La Roche.
1772
„Der goldne Spiegel oder die Könige von Scheschian”, Staatsroman.
Weimar (1772-1797)
1772
Berufung als Erzieher des Erbprinzen Carl August an den Hof der Herzogin
Anna Amalia in Weimar. Übersiedlung nach Weimar.
1773
Erscheinungsbeginn der Zeitschrift „Der Teutsche Merkur”, bis 1790 unter
der Herausgeberschaft von Wieland (1790-1810 „Neuer Teutscher Merkur”, Herausgeber
Karl August Böttiger). Briefwechsel mit Johann Heinrich Merck in Darmstadt.
„Die Wahl des Herkules”. Eine dramatische Cantate. Wieland inszeniert sein
Singspiel „Alceste”, Musik von Anton Schweitzer. Der Göttinger
Hainbund verbrennt bei einer Feier zu Klopstocks 49. Geburtstag einige Schriften
Wielands
und sein Bildnis (als Zeichen für
neue literarische Wege).
1774
„Goethe – Götter, Helden und Wieland”. „Die Abderiten”.
(bis 1781).
1775
Entlassung aus dem Amt des Prinzenerziehers mit einer Pension auf Lebenszeit.
Freundschaft mit Goethe.
1776
Herder trifft in Weimar ein. Bis 1781 Zeit der Verserzählungen
(„Geron” 1776, „Sommermärchen” 1777, „Hann und Gulpenheh”
1778, „Schach Lolo” 1778, „Pervonte” 1779).
1780
„Rosamund”. Ein Singspiel in drei Aufzügen (Uraufführung:
20.1. in Mannheim). „Oberon”.
1782
„Briefe an einen jungen Dichter”. Übersetzung von Horazens
Briefen ins Deutsche.
1783
„Clelia und Sinibald”.
1786
„Dschinnistan oder auserlesene Feen- und Geistermärchen”.
„Horazens Satiren” aus dem Lateinischen übersetzt.
1787
Schiller kommt nach Weimar, verkehrt in Wielands Haus, Pläne zu
einer Beteiligung am „Teutschen Merkur” werden nicht verwirklicht.
1788
„Das Geheimnis des Kosmopolitenordens”. Übersetzung
der Sämtlichen
Werke von Lukian.
1789 (bis 1793)
Serie von Aufsätzen zur Französischen Revolution
im „Teutschen Merkur”.
1791
„Geheime Geschichte des Philosophen Peregrinus Proteus”, „Göttergespräche”.
1794 (bis 1811)
„C. M. Wielands Sämmtliche Werke”. Ausgabe von
der letzten Hand, in 4 verschiedenen Formaten und Ausstattungen (bei G. J.
Göschen
in Leipzig).
1795
„Die Wasserkufe oder der Einsiedler und die Seneschallin von Aquilegia”.
1796
Reise nach Zürich zu seiner Tochter Charlotte (verheiratet mit dem Verleger
Heinrich Geßner). Gründung der Zeitschrift „Attisches
Museum”.
Oßmanstedt (1797-1803)
1797
Übersiedlung von Weimar auf das Landgut Oßmannstedt.
1798
„Gespräche unter vier Augen”.
1799
„Citatio edictalis”, Verdikt der Frühromantiker über
Wielands Werk. „Agathodämon”, Übersetzungen:
Euripides, Aristophanes, Xenophon. Besuch von Sophie von La Roche und ihrer
Enkelin
Sophie Brentano.
1800 (bis 1802)
„Aristipp und einige seiner Zeitgenossen”, Sophie
Brentano wohnt den Sommer über in Oßmannstedt, wo sie am 19. September
stirbt.
1801 (8.11.)
Tod von Anna Dorothea Wieland.
Weimar (1803-1813)
1803
Heinrich von Kleist Gast in Oßmannstedt (Nov. 1802 - Jan. 1803).
Wieland muß das Gut verkaufen und kehrt nach Weimar zurück.
1804
Begegnung mit Madame de Staël
(1808: 2.Besuch). „Menander
und Glycerion”.
1805
„Krates und Hipparchia”, ein Seitenstück zu „Menander
und Glycerion”. „Das Hexameron von Rosenhain”, Novellen- und Märchenzyklus.
1806 (bis 1813)
Übersetzung von M.Tullius „Ciceros Sämtlichen
Briefen”.
1807
Tod von Sophie von La Roche (18. Februar) und Herzogin Anna Amalia (10. April).
1808
Begegnung mit Napoleon. Auszeichnung mit dem Kreuz der Ehrenlegion.
1809
Eintritt in die Freimaurerloge Amalia.
1813
Am 20. Januar stirbt Wieland in Weimar. Beisetzung an der Seite seiner
Frau und Sophie Brentanos im Park von Oßmannstedt. Rede Goethes in
der Weimarer Freimaurerloge „Zu brüderlichem Andenken Wielands” (18.
Februar).